christian_b219 hat geschrieben:
schon mal was von der Thermohalinen Zirkulation gehört
Sicher, aber auch für diese gelten die elementaren Naturgesetze. Ich versuche das nur verständnismäßig unter einen Hut zu bringen.
Extruder hat geschrieben:
durch den hohen temperaturunterschied zwischen oberflächenwasser (sagen wir mal 20°) und tiefenwasser (~4°) gibt es eine starke stratifizierung. da reicht der höhere salzgehalt in der regel auch nicht aus um den durch die temperaturdifferenz verursachten dichteunterschied auszugleichen.
Manches lässt sich am besten durch Ausrechnen klären.
Als Tabellenwerte für die Wasserdichte habe ich gefunden: 4°C: 0,99997 kg/L, 20°C: 0,99820 kg/L, der Unterschied beträgt ca. 0,18%.
Die Dichtewerte von Natriumchlorid-Lösungen betragen bei 15°C: 3%: 1,0218 kg/L, 4%: 1,0292 kg/L, der Unterschied beträgt ca. 0,72%.
(Ich denke, bei der Meerwasser-Diskussion bewegen wir uns auch im 3-4%-Bereich.) Danach wäre der Dichteunterschied durch die verdunstungsbedingte Salzanreicherung viermal größer als durch die Aufheizung, man müsste den zitierten Satz also eigentlich genau umdrehen.
Wie stark müsste sich das Wasser erwärmen, um diese 0,72% gerade auszugleichen? Antwort: 38,5°C (Dichte: 0,99277 kg/L)
Eine Erwärmung von 4°C auf 38°C ist nun alles andere als realistisch.
Jetzt gehe ich von 10°C aus (0,99970 kg/L), schon bei 39°C hat die Dichte um 0,72% abgenommen (0,99250 kg/L). Von 25°C Ausgangstemperatur (0,99704 kg/L) reicht die Erwärmung auf 46°C zur Kompensation aus (0,98986 kg/L).
cairngorm hat geschrieben:
Na, vielleicht deshalb, weil das höher konzentrierte Oberflächenwasser zwar bei gleicher Temperatur schwerer ist, aber da vermutlich auch wärmer, wiederum leichter wird. Das gleicht sich gewissermaßen aus.
Cairngorm hat also recht, das kann sich ausgleichen, wenn man vllt. von einem geringeren Konzentrationsanstieg ausgeht (ca. 0,5%), dann kann diese dichtemäßig durch realistische Erwärmungswerte ausgeglichen werden.
Entscheidend ist also, dass der erwärmungsbedingte Dichteanstieg nicht linear verläuft.
Pia hat geschrieben:
dann müsste das ja in warmen gebieten besonders ausgeprägt sein mit dem salzreichen oberflächenwasser und in polaren gebieten weniger.
Richtig, 1. weil warmes Wasser schneller weiter erwärmt werden kann, 2. weil bei höherer Temperatur mehr Wasser pro Zeit verdunstet, 3. weil der Dichteanstieg bei gleicher Temperaturzunahme in warmem Wasser stärker ist.
Pia hat geschrieben:
aber ich hab mir die profile nochmal angesehen und im allgemeinen kann man denk ich schon sagen, dass in wärmeren gebieten das salzreiche wasser auf jeden fall eher an der oberfläche ist und in polargebieten umgekehrt.
Damit wäre auch diese Beobachtung geklärt. In einem relativ geschlossenen Meeresgebiet in heißer Gegend (Mittelmeer im Sommer) würde ich auch die größte Auswirkung dieses Effekts erwarten.